Stiftung Kulturerbe

 

Wasserburg Liepen

Wasserburg Liepen

 

Der Ort Liepen ist slawischen Ursprungs, abgeleitet von lipa – die Linde, in der Bedeutung „Lindenort“. Als im frühen Mittelalter mit der Ostkolonisation deutsche Siedler aus Niedersachsen und Westfalen in das Land kamen, gab es zwei Orte: Sandlipen mit den slawischen Bewohnern und Holzlipen für das deutsche Rodungsdorf. Später verschmolzen beide Orte zu einem.

Die Wasserburg Liepen ist im frühen Mittelalter als Rittersitz und Wehranlage errichtet worden. Südlich eines mondsichelförmigen Solls wurde die Burg erbaut, danach wurde der Graben umlaufend geschlossen und die heute noch vorhandene Insellage war entstanden. Der Graben, der das Gelände umschließt, ist etwa 30 m breit.

Bei der Entschlammung des Grabens, einer so genannten Gräfte, fand man Brückenpfeilerreste, deren Untersuchung das Fälldatum 1425 ergab. Daraus schloss man die Erbauungszeit der Wasserburg. Die Familie Hahn, in deren Besitz sich das Gut bis 1945 befand, wurde aber bereits im Jahre 1337 mit Liepen belehnt. Es ist also anzunehmen, dass auch die Burg früher entstanden ist. Genauere Angaben gibt es leider nicht.

Auf der Insel befanden sich neben der eigentlichen Burg auch noch Nebengebäude, wie Stallungen und Vorratshäuser und ein Brunnen. Hier existieren Fundamentreste, die heute in der Pflasterung des Burghofes die Gebäudestellungen anzeigen. Im Angriffsfalle konnte man also die feindliche Belagerung in Ruhe abwarten. Eine alte Sage weiß sogar von einem unterirdischen Tunnelgang nach Basedow zu berichten.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg 1648 und infolge des wirtschaftlichen Niedergangs verfiel die Wasserburg. Sie hatte auch ihre Bedeutung als Wehranlage verloren. In Mecklenburg und Pommern vollzog sich der Übergang von der Grundwirtschaft zur Gutswirtschaft.

 

 

Im Jahre 1700 wurde die Wasserburg Liepen als Gutshaus im Stile des ländlichen Barocks auf dem erhaltenen Kellergewölbe wieder aufgebaut. Es ist ein wuchtig wirkender Bau mit fast quadratischem Grundriss, der wohl ursprünglich fachwerksichtig gewesen ist.

1925 wurde am Rande des Dorfes Liepen ein neues Herrenhaus im neobarocken Stil erbaut. Es dient heute Wohnzwecken.

1945 wurde die Familie von Hahn im Zuge der Bodenreform enteignet. Die Wasserburg Liepen diente zunächst als Flüchtlingsunterkunft und später als Wohnraum. Seit 1990 stand die Wasserburg leer.

Nun setzten intensive Bemühungen der Denkmalpflegebehörden und des Kreises zur Erhaltung der Wasserburg ein, gilt sie doch als wertvolles Zeugnis der historischen Entwicklung vom Mittelalter bis in die Neuzeit. 1994 wurde der Wassergraben entschlammt und renaturiert, von 1996 bis 1998 wurde die Wasserburg selber einer umfassenden Sanierung unterzogen.

 

 

Heute haben in der Wasserburg die Stiftung Kulturerbe im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommern und der Mecklenburgisch-Vorpommersche Denkmalpflegehof Liepen e. V. ihren Sitz.

Anliegen des Denkmalpflegehofes ist die Bergung, Gewinnung und Aufbereitung von historischen Baustoffen. Die aufbereiteten Altmaterialien werden engagierten Bauherren und Handwerkern zur Wiederverwendung bei der Sanierung von alten und/oder denkmalgeschützten Bauwerken angeboten. Dazu gehören beispielsweise Mauerziegel, Lehmsteine, Dachdeckungsbaustoffe, Türen, Fenster, Eisenteile und vieles andere.