Gutshaus Mölln bei Altentreptow

Das ehemalige Gutsdorf Mölln, dessen Grundstruktur in der heutigen Dorfanlage noch ablesbar ist, wurde erstmals 1316 urkundlich erwähnt. Von der Gutsanlage ist nur noch das ehemalige Herrenhaus erhalten geblieben. Es besteht aus einem älteren („versteckten“ barocken) Teil, der auf etwa 1850 datiert wird, und einem neueren Teil, der um 1908 erbaut wurde.

Ausgangssituation
Das denkmalgeschützte Gebäude stand seit der Wende viele Jahre leer. Der ältere Gebäudeteil verfiel immer mehr, bis die Gemeinde beschloss, diesen abzureißen. Das Landesdenkmalamt lehnte den Abrissantrag jedoch ab und bat die Stiftung Kulturerbe, sich des Themas anzunehmen.

Zielstellung
Die Gemeinde sollte von ihrem Abrissbegehren abgebracht und davon überzeugt werden, dass der Erhalt des gesamten Gutshauses dem Dorf mehr Vor- als Nachteile bringen würde. Die Stiftung empfahl eine soziokulturelle Mischnutzung durch die Gemeinde und den Verein sowie weitere örtliche Gruppen und Privatpersonen.

Aktivitäten der Stiftung Kulturerbe
Fünf Mal fuhr die Vorstandsvorsitzende Karen Albert-Hermann allein 2006 nach Mölln und zeigte den Gemeindevertretern Möglichkeiten auf, ihr Gutshaus zu erhalten. Im Frühjahr 2006 wurde das Gebäude unter fachkundiger Anleitung durch die Stiftung Kulturerbe entmüllt. In einer zweiten Maßnahme befreiten MAE-Kräfte im Sommer 2006 den barocken Teil von dem Zementputz, so dass die alte Bausubstanz wieder sichtbar und die Kosten für eine Sanierung kalkulierbar wurden.

Zum Tag des offenen Denkmals am 10.09.2006 war das Gutshaus dann seit langem wieder einmal geöffnet und Frau Albert-Hermann zur Beantwortung von Fragen der Besucher vor Ort. Die Gemeindevertreter überraschte der große Besucherandrang. Fast alle verbanden persönliche Erinnerungen mit dem Haus – jeder schien hier einmal gewohnt oder geheiratet zu haben. Die Erzählungen waren sehr vielfältig und dann auch wieder ähnlich.

Unter Anleitung der Stiftung Kulturerbe entwickelte eine extra hierfür gebildete Arbeitsgruppe im Jahr 2007 eine Nutzungsidee für das alte und neue Gutshaus und beantragte Fördermittel für die Sanierung, die in Höhe von 193.800 € für den 1. Bauabschnitt (Ausbau des neobarocken Gebäudeteils) bewilligt wurden. Außerdem wurde ein Masterplan für das Dorf erarbeitet (erste Beratung 25.06.2007).

Bei Recherchen zur denkmalpflegerischen Zielstellung fand die Stiftung Kulturerbe heraus, dass Mölln der Geburtsort von Kaspar Friedrich von Schuckmann (1755 –1834) ist und der ältere, barocke Teil des Gutshauses sein Elternhaus war. Schuckmann war ab 1810 Geheimer Staats­rath für Cultus und Unterricht im Ministerium des Inneren, Mitbegründer der Humboldt-Universität zu Berlin und seit 1814 Preußischer Innenminister. Anlässlich der feierlichen Übergabe der Förderzusage am Tag des offenen Denkmals (14.09.2008), bei der Frau Albert-Hermann die Festrede hielt, überraschte sie ihr Auditorium mit diesen Informationen und überreichte zum Abschluss einen antiquarisch erworbenen Stich mit dem Portrait des berühmtesten Sohnes des Dorfes.

Am 10.11.2010 wurde die Frau Albert-Hermann zu einer Besichtigung des abgeschlossenen Sanierungsprojekts Gutshaus Mölln, Bauteil um 1908, eingeladen. Im Erdgeschoss befindet sich nun die Dorf-„Kneipe“, deren Bewirtschaftung der Verein übernommen hat und die gern von den älteren Einwohnern besucht wird. Der Saal wird für (Familien-)Feiern und Veranstaltungen genutzt. Im Obergeschoss befinden sich jetzt das Gemeindebüro, ein Gästezimmer auf Hotelniveau (wird gern mit Saal gemietet), ein Gästebad und ein Vereinsraum. Die Stiftung Kulturerbe kritisierte bei dem Besichtigungstermin, dass die Architekten alles überrestauriert haben. Der zweite Rettungsweg mit einer Stahltreppe zur Gartenseite ist nicht gelungen. Die Gemeinde verstand die Kritik und trennte sich inzwischen von dem Architekturbüro aus Neubrandenburg.

Ausblick
Entsprechend den Empfehlungen der Stiftung Kulturerbe saniert die Geminde nun auch den älteren Gebäudeteil, un zwar für eine zukünftige Sommernutzung ohne Dämmung, Heizung und Doppelfenster. Frau Albert-Hermann führte am 24.11.2010 ein diesbezügliches Telefonat mit dem Landwirtschaftsministerium. Mit der Ermittlung der Kosten wurde der Architekt Jens Bergmann aus Burg Stargard beauftragt. Die Stiftung behält das Qualitätsmanagement in der Hand und will weiterhin die Kreativität beisteuern, die ein solches Bauwerk benötigt.