Gutsanlage Neuensund

Klassizistische, geschlossene Gutsanlage mit kleinem Lennépark. Das Gutshaus wurde zwischen 1764 und 1785 vermutlich auf Resten eines älteren Gebäudes errichtet. Es handelt sich um einen eingeschossigen schlichten Putzbau mit Kellergeschoss und einem Ziegelkrüppelwalmdach. Nach wechselnden Besitzern (von Rieben, von Berg, Meyer und Necker zu Stettin, von Oertzen, von Arenswald, von Normann, von Sternbach, von Weyer) erwarb die Familie von Arnim das Gut 1765 und bewirtschaftete es bis 1928/29. Durch die Bodenreform wurde das Gutsland 1946 unter mittellosen Bauern und Landarbeitern aufgeteilt. Im Jahr 1952 wurde in Neuensund eine LPG gegründet, die die Gutswirtschaftsgebäude bis zur Wende nutzte. Das Gutshaus diente bis 1994/95 als Wohnhaus, außerdem beherbergte es die LPG-Küche, einen Kulturraum und einen Kindergarten (bis 1994).

Ausgangssituation
Über zehn Jahre suchte die Stadt Strasburg als Eigentümerin der Gutsanlage Neuensund nach Investoren und Nutzungskonzepten. Derweil verschlechterte sich der Zustand des Herrenhauses, während zumindest der alte Kornspeicher so instand gesetzt wurde, dass auf der Tenne Feste gefeiert und eine kleine Ausstellung des Heimatvereins untergebracht werden konnten. 2005 schlug Landwirtschaftsminister Til Backhaus vor, die Anlage als Fernsehkulisse für eine Serie über das „Leben auf dem Gutshaus um 1920“ zu nutzen. Der Verein „Die Region Odermündung e.V.“ sollte eine Machbarkeitsstudie erstellen. Zugleich stellte sich die Frage, was mit der Gutsanlage geschehen sollte, nachdem die Fernsehserie abgedreht wäre. Es entstand die Idee vom „Urlaub in der Vergangenheit“. Auf der Suche nach einem Partner für die fachliche Beratung wandte sich der Verein Odermündung an die Stiftung Kulturerbe.

Workshop
Zur Über­prüfung der Machbarkeit und Entwicklung möglicher Handlungsfelder führte die Stiftung Kulturerbe gemeinsam mit der Stadt Strasburg, dem Landkreis Uecker-Randow und dem Regionalen Planungs­verband Vorpommern (RPV) am 07./08.06.2007 im Kornspeicher der Gutsanlage einen Workshop zum Thema „Wiederbelebung der Gutsanlage Neuensund“ durch. Weitere Informationen enthält der Veranstaltungsflyer (pdf).

Die Ergebnisse der zweitägigen Veranstaltung wurden in Form eine Zeitung (pdf) aufbereitet und den Vertretern der Stadt, des Landkreises und des Neuensunder Heimatvereins am 23.07.2007 im Rathaus von Strasburg vorgestellt. Bei einer Einwohnerversammlung am 25.09.2007 informierte die Stiftung darüber hinaus auch die Bevölkerung von Neuensund über die Workshopergebnisse. Zum Scheunenfest des Heimatvereins Dörpkap Mumpelsiet am 07.06.2008 wurde die Zeitung als Wandzeitung der breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Zwischennutzung
Auf Anfrage des freien Kurators Jörg Hasheider nach einem freien Gutshaus zur Zwischennutzung für eine Klangkunstausstellung ermöglichte die Stiftung Kulturerbe dem Kurator, sein Konzept am 04.03.2008 im Strasburger Rathaus vorzustellen. Nach anfänglich positiven, aktiv durch die Stiftung begleiteten Planungen wurde das Vorhaben seitens der Stadt über­raschend wieder abgesagt.

Investorensuche
Am 26.03.009 kamen der Leiter des Bauamts, der Bürgermeister der Stadt Strasburg, der Vorsitzende und einige Mitglieder des Neuensunder Heimatvereins Dörpkap Mumpelsiet sowie Frau Albert-Hermann von der Stiftung Kulturerbe erneut in Neuensund zusammen, um über das weitere Vorgehen und die Über­prüfung der Wartung der Gutsanlage zu beraten. Anlass war ein Beschluss der Stadtvertretung, das Objekt nicht selbst zu entwickeln, sondern zu verkaufen. Es lag bereits ein Wertgutachten vor, einen Maklervertrag hatte die Stadt auch schon geschlossen.

Im Spätsommer fand sich dann ein Interessent. Die Stiftung beriet das Schweizer Ehepaar, das sich nicht als Investor verstand, sondern mit dem Erwerb der Gutsanlage auch seinen persönlichen Lebens­mittelpunkt nach Neuensund verlegen wollte. Es folgten Beratungen mit Ämtern und Behörden auf Kreisebene (10.09. und 14.10.2009) sowie am 26. Januar 2010 ein Gespräch im Landwirtschaftsministerium in Schwerin. Dieses scheiterte an den unterschiedlichen Vorstellungen über die Art der Förderung des Investitionsvorhabens von rund 5 Mio. Euro. Das Ehepaar zog sich aus Neuensund zurück und erwarb ein anderes Objekt in Mecklenburg-Vorpommern.

Schließlich fand sich 2012 doch noch eine Käufergemeinschaft um die Berliner Theaterfrau Carolin Huder, die unter anderem auch die Kammerspiele Kleinmachnow betreibt. Huder will die Gutsanlage Neuensund peu a peu sanieren und dort einen Hotel- und Gastronomiebetrieb mit Werkstätten aufbauen, ohne das Gesamtbild der Anlage zu verändern. Anfang April 2013 wandte sich die neue Eigentümern mit Bitte um Unterstützung bei der Instandsetzung des stark sanierungsbedürftigen Herrenhauses an die Stiftung Kulturerbe.

Aktuelle Impressionen: https://www.facebook.com/gutneuensund

Publikationen
„Neuensund, Mecklenburg-Vorpommern, Landkreis Uecker-Randow“, Heft 12 in der Reihe „Schlösser und Gärten in Mecklenburg-Vorpommern, herausgegeben vom Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark in der Deutschen Gesellschaft e.V., Berlin 2010 (ISBN 978-3-941675-22-3).