Oder-Neisse-Paradiese / Raje nad Odra i Nysa / Odra-Nysa-Ráje

Projektkarte

Gartenkunst und Landschaftskultur beiderseits der Oder-Neisse-Linie

Deutschland und Polen präsentierten sich vom 60. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 2005 bis zum 15. Jahrestag der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags am 17. Juni 2006 im jeweiligen Nachbarland im Rahmen des „Deutsch-Polnischen Jahres/Rok Polsko-Niemiecki 2005 – 2006“ mit mehr als tausend kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen. Dabei war die Kultur zwar mit einer Fülle von Projekten vertreten, jedoch leider mit keinem Projekt zum Thema „Kulturlandschaft“, insbesondere nicht zu „Gärten und Parkanlagen in der Kulturlandschaft“. Um diesem Mangel abzuhelfen, wird das folgende Projekt vorgeschlagen:

Das Projekt „Oder-Neisse-Paradiese“ will das wertvolle gartenkunsthistorische Potenzial in der Kulturlandschaft beiderseits der ehemaligen Oder-Neisse-Linie erhalten, rekonstruieren, pflegen und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Dabei geht es auch um eine Sicherung und Präsentation der bestehenden Geschichtszeugnisse insbesondere im polnischen Teil. Historisch rekonstruierte Garten- und Parkanlagen unterschiedlicher Epochen oder Themen lassen die Besucher Geschichte lebendig erleben.

Gartenreisen in historische oder zeitgenössische Parks und Gärten erleben derzeit einen Boom in Europa. Gartenfestivals und Gartenschauen ziehen alljährlich Hunderttausende begeisterter Besucher an.

Die Rekonstruktion und Wiederbelebung der Garten- und Parkanlagen entlang von Oder und Neisse eröffnet Möglichkeiten der touristischen und damit auch ökonomischen Entwicklung. Dadurch erfährt dieser strukturschwache Raum beiderseits der Grenze einen zusätzlichen wirtschaftlichen Aufschwung.

Einige Vorarbeit in Forschung und Dokumentation haben z. B. die Deutsche Gesellschaft mit der Heftreihe „Schlösser und Gärten der Mark“ ihres gleichnamigen Freundeskreises in Berlin oder das Ochrodek Ochrony Zabytkowego Krajobrazu (Zentrum für die Erhaltung historischer Landschaft) in Warschau mit seiner Schriftenreihe „Studia i Materialy“ geleistet. Auch hat der DGGL-LV Berlin-Brandenburg in Zusammenarbeit mit Kulturland Brandenburg e. V. in Potsdam im Jahr 2005 die Reiseführer-Karte „Routen der Gartenkultur in Brandenburg“ herausgegeben.

Es ist daran gedacht, all diese Initiativen im Grenzraum zu bündeln. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe aller vier Euroregionen entlang von Oder und Neisse übernimmt in grenzüberschreitender Kooperation die Trägerschaft für dieses Netzwerk-Projekt. Mit dem „Forum Grenzstädte“ (beim Landesamt für Bauen und Verkehr in Frankfurt/Oder) wird ein erster Ansatz zur Zusammenarbeit im Projekt gegeben. Auch die Denkmalbehörden beider Länder arbeiten ähnlich erfolgreich wie im Muskauer Park/Park Muzakowski zusammen. Garten- und Park-Patenschaften werden über die Grenze hinweg begründet. In einem weiteren Schritt werden die Gärten und Parkanlagen im tschechischen Teil der Europaregion „Neisse-Nisa-Nysa“ (insbesondere das „Böhmische Paradies/Cesky Raj“) in das Netzwerk eingebunden.

Das Ergebnis sind sowohl die Schaffung gepflegter Garten- und Parkanlagen als auch die Vermittlung von Arbeitskräften, die Fortbildung in Form von Kursen, Seminaren und Tagungen, eine Belebung des Hotel- und Gastronomiegewerbes sowie themenbezogene Publikationen aller Art. Es gilt nun die Lust auf die Schönheit von Gärten zu befriedigen. Und: Das Werk, das man gemeinsam vollbracht hat, wird man so schnell nicht mehr zerstören!

Hartmut Solmsdorf, Landschaftsarchitekt


Weitere Unterstützer des Projekts

Literaturhinweis

Solmsdorf, Hartmut: Neue Landschaft jenseits von Oder und Neisse. Wiederentdeckung einer vergessenen Kulturlandschaft, in: Regionale Gartenkultur. Über die Identität von Landschaften, DGGL-Jahrbuch 2006, S. 77-82

Projektbetreuung und Koordination

Stiftung Kulturerbe
Ansprechpartnerin: Dipl.-Ing. Karen Albert-Hermann. Vorstandsvorsitzende
T +49 3325 779844
stiftung@remove-this.stiftung-kulturerbe.de

 

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