Kulturlandschaft Stolec/Stolzenburg – Glashütte

Der Grenzstreifen im Park
Schlossallee (Eichenallee) - Blick nach Stolec
Vor-Ort-Erkundung, 16.11.2006

Im Rahmen der „Oder-Neisse-Paradiese“ sollte ursprünglich schon im Jahr 2006 auf Wunsch der Denkmalpflegeverwaltungen der Wojewodschaft Zachodnio-Pomorskie und des Landes Mecklenburg-Vorpommern als erstes deutsch-polnisches Projekt in Pommern die Kulturlandschaft Stolec/Stolzenburg mit Schloss und Park bis nach Glashütte, dem ehemaligen Vorwerk der Gutsanlage, entwickelt werden. Die Gutsanlage liegt in Polen und gehört dem Staat. Der Park liegt in Deutschland und gehört teilweise dem Land, teilweise dem Bund.

Die Projektidee

Die ehemalige Bahntrasse, die gut erhaltenen Gebäude des Haltepunkts Stolzenburger Glashütte, verschiedene Gutshäuser, wie zum Beispiel Rothenklempenow, und die Heimatstube Glashütte (Glasmuseum) werden in die Projektüberlegungen mit einbezogen, so dass die gesamten kulturhistorisch-wirtschaftlichen Zusammenhänge zwischen allen land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen der näheren Umgebung sowie den Baulichkeiten, Wegen, Abbaugebieten und Verarbeitungsstätten aufgearbeitet und wieder sichtbar werden. Endpunkt des beschriebenen Themenablaufs soll das Schloss mit seiner Parkgestaltung bilden; nicht zu vergessen ist dabei die Dorfkirche in Stolec (Hl. Maximilian Maria Kolbe, 1731 – 1735).

Aktueller Zustand des Parks

Aufwuchs und Wildwuchs der letzten sechs Jahrzehnte lassen nur noch wenig von der ehemaligen Gestaltung erkennen. Es sind aber noch mehrere Wegeführungen vorhanden. Die meisten dienten seit ca. 1860 der Holzwirtschaft. Die Eichenallee stellte einen Schwerpunkt der gewollten Parkgestaltung dar. Sie verband – obwohl „Schloss-Allee“ genannt – das Gutshaus Stolzenburg mit dem Vorwerk Lenzen und läuft in einiger Entfernung am Schloss vorbei.

Die erste Maßnahme

Um die Parkanlage wieder erlebbar zu machen, soll im ersten Schritt die Eichenallee wiederhergestellt werden. Diese im gesamten Waldgelände noch gut zu erkennende Allee – da immer wieder durch die Forstverwaltung entsprechend gepflegt – wird als das wichtigste Zeugnis eines gestalteten grünen Raums eine notwendige Freistellung, Bearbeitung und Nachpflanzung erfahren. Von hier aus werden sich die weiteren Planungs- und Pflegeschritte innerhalb des waldartigen, heute verwilderten Parkgeländes wie von selbst ergeben, da aus der ersten veränderten Situation heraus Sichten, Räume und Blickbeziehungen aufgebaut werden können.

Geschichte

Stolec/Stolzenburg war seit dem 13. Jh. ein Lehen der Familie von Blankenburg. 1544 erwarben die Ramins das Anwesen, die es Ende des 16. Jh. innerhalb der Familie teilten. Jürgen Bernhard von Ramin ließ das spätbarocke Herrenhaus 1771 erbauen, ein zweistöckiges, elfachsiges Gebäude auf rechteckigem Grundriss und mit hohem Kellergeschoss. Die Ostfassade blickt auf den großen Gutshof. 1869 erwarb Heinrich Herrmann, ein Bergwerksbesitzer aus Westfalen, das Gut und baute 1714 die vorhandene Kirche aus. Drei Jahre später übernahm die „Aktiengesellschaft zur Verwertung der Herrschaft Stolzenburg“ den Besitz. Für die Gewinnung landwirtschaftlicher Flächen wurde wahllos Wald abgeholzt. Als die AG vor dem Konkurs stand, übernahm der Hauptaktionär, Konsul Reder aus Lübeck, den Besitz. Sein Schwiegersohn veräußerte 1000 Morgen Wald an den Staat. 1905 kaufte Hans Lenz das Gut. 1915 erwarb es die Familie Stock, die bis 1945 hier ansässig war. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Herrenhaus vom polnischen Grenzschutz genutzt.

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