Urlaub mal anders: Auf Werbefahrt für die Stiftung Kulturerbe

Wie macht man eine gerade gegründete, landesweit tätig werden wollende Stiftung bekannt? Fördervereinsmitglied Inka Walter kam die Idee, in ihrem Sommerurlaub mit dem „Kulturerbemobil“ durch Mecklenburg-Vorpommern zu fahren. Dafür wurde der elterliche Trabi großflächig mit dem Logo der Stiftung Kulturerbe beklebt. Ihre Eindrücke und Erlebnisse hielt die tourende Inka Walter in einem Reisetagebuch fest:

19.07.2005 Meine erste Fahrt führte mich nach Mirow. Das dortige Schloss ist im Besitz des Landes Mecklenburg-Vorpommern und wird gerade restauriert. Es liegt idyllisch von Wasser umgeben. Die nahe Kirche beherbergt ein interessantes Mausoleum der herzoglichen Familie Mecklenburg-Strelitz. Von Mirow aus fuhr ich ins Müritz-Nationalparkzentrum im Gutshaus Boek. Im Gutshaus befindet sich neben der Verwaltung des Nationalparks ein kleines Heimatmuseum, eine Ausstellung zur Schriftstellerin Gertrud le Fort sowie ein Zinnfigurenmuseum. Der nächste Haltepunkt war die Touristeninformation in Rechlin. Dann besuchte ich das Gutshaus Solzow. Gleich beim Eingang empfing mich eine gemütliche, ländlich-legere Atmosphäre. In den Wirtschaftsgebäuden sind Ferienwohnungen untergebracht. Das Gutshaus ist nicht „tot saniert“, sondern belebt und belegt. In Ludorf wurde ich von einer Dame sehr gut durch das Gutsmuseum geführt. Die Ausstellung zu den mecklenburgischen Gutsherren als Reeder ist interessant und man lernt viel über ihre Geschäftstüchtigkeit. In die Kirche konnte ich auch noch einen Blick werfen. Sie wurde in Form eines beeindruckenden Oktogons im Auftrag eines Ritters gebaut, der an den Kreuzzügen erfolgreich teilgenommen hatte.

20.07.2005 Das Schloss in Finken ist leider verlassen und hat bessere Zeiten gesehen, obwohl es sehr günstig direkt an einem wunderschönen See gelegen ist. Nur hundert Meter würden den Café-Besucher vom Wasser trennen. Es gab wohl einen Rundweg um den See, der wieder zuwächst. Die Rundscheune wird zurzeit als Gemeindezentrum und als Station für die Freiwillige Feuerwehr ausbaut. Ein gelungenes Beispiel für die Nutzung alter, besonderer Gebäude. Der Bürgermeister will zukünftig auch sein Büro dort einrichten. Er hat für den Ausbau der Scheune ca. 260.000 Euro locker gemacht. Die Kirche ist ebenfalls sehenswert und direkt am See gelegen – leider war sie geschlossen. Plau gefiel mir als Stadt sehr gut – beschaulich, mit sehr gut restaurierten Häusern. Die Kirche ist erstaunlich groß und beeindruckt mit ihren Deckenmalereien, gerade weil sie nicht perfekt restauriert sind. Durch Zufall lese ich beim Verlassen der Kirche „Prof. Wandschneider Museum“. Prof. Wandschneider war ein Bildhauer. Das erklärt mir der kundige Museumsleiter detailreich. Besonders interessant für die Stiftung fand ich das Mausoleum, das Prof. Wandschneider als sein wichtigstes Werk bezeichnet hatte. Ein Kunsthistoriker aus Berlin hält dieses Werk ebenfalls für wichtig. Doch es ist dem Verfall preisgegeben. Es gehört zum Gut Karow und entstand im Auftrag der Familie Schluzius (ca. 1908), die das alte Gut jetzt wieder bewirtschaftet und Interesse an einer Instandsetzung hat. Im Café „Altstadt“ wollte ich mich dann erholen und traf auf ein älteres Schweizer Ehepaar, die mit dem Fahrrad unterwegs waren – wie sehr viele ihrer Landsleute in MV! Meine letzte Station war Schloss Vietgest. Dort übernachtete ich.

21.07.2005 Am nächsten Tag fuhr ich nach Remplin und sah mir in strömendem Regen die Reste des Gutes an. Wirkte eher trostlos. In der früheren Kapelle gibt es jetzt einen Antikhandel. Im Park wird die Sternwarte restauriert – erfahre ich von einem, der einen kleinen Kiosk mit frischen Forellen betreibt. Leider hatten die Arbeiter aus Berlin gerade Pause und so konnte ich nicht in die Sternwarte hinein. Mein Weg führte mich weiter zur Schloss- und Klosteranlage Dargun. Hier gibt es ein kleines Museum zur Geschichte des Klosters und des Schlosses. Es ist sehr fundiert gestaltet. In Prebberede komme ich in strömendem Regen in die Kapelle. Im Kamin brennt ein freundliches Feuer! Ein netter Herr begrüße mich. Die ehemalige Kapelle soll zukünftig als Café betrieben werden. Sieht sehr geschmackvoll aus. Am 20.08.05 findet ein Konzert mit Ludwig Güttler vor dem Schloss statt. In Gottin komme ich bei unkomplizierter ländlicher Atmosphäre schnell mit der Besitzerin ins Gespräch. Sie fühlt sich alleingelassen: Beim Abriss der Scheune neben dem Gutshaus stand ihr niemand bei. Sie ist auch von der Dorfbevölkerung enttäuscht – nur Auswärtige hätten hier Initiative ergriffen (Physiotherapie, Bauunternehmen). Sie erzählt mir von den Dörfern, in denen sich zu DDR-Zeiten etwas Eigenständigkeit bewahrt habe. In Matgendorf wollten die Bauern z. B. keine ganzjährige Weidewirtschaft führen, weil die Kühe das nicht gewöhnt waren. Sie widersetzten sich den staatlichen Anordnungen und waren dann die einzigen, die Milch hatten. Dadurch ging es ihnen besser als den anderen Bauern – das erweckte natürlich Neid. Die Besitzerin von Gottin veranstaltet Rosenfeste. Der Garten ist super gepflegt und sehr einladend.

22.07.2005 In Güstrow fand ein Interview mit NDR 1 – RADIO MV statt. Es dauerte ca. eine Stunde und 15 Minuten. Der Reporter wollte viel wissen und begleitete mich in die Info. Dann befragte er Touristen und unterhielt sich noch einmal mit mir. Danach haben wir Trabi-Fahrgeräusche aufgenommen – sehr witzig. Daraus wurden schließlich fünf Sendeminuten! Nach dem Interview ging ich in das Museum im Schloss. Von außen gefällt mir das Schloss besser. Das Schönste ist der Festsaal mit den Hirschen, die förmlich aus der Wand zu springen scheinen! Sehr beeindruckende Stuckarbeiten. Ich habe mich mit einer Frau im Museum in Güstrow (neben dem Schloss) unterhalten. Ihr Vater war Kutscher auf Schloss Rossewitz, sie selbst stammt ebenfalls von dort. Der letzte Gutsbesitzer musste „in Latschen“ gehen! Die Russen haben ihn vertrieben. Zu Rossewitz ist auch eine Chronik vorhanden; aber die Erben des Lehrers, der diese erstellt hat, wollen sie nur gegen viel Geld herausgeben. Der Bürgermeister von Recknitz ist äußerst aktiv und hat eine Straße nach Rossewitz gebaut. Die Schmiede wird ebenfalls restauriert. Der Bauingenieur Böhnke aus Güstrow hat bereits am Schloss Rossewitz intensiv gearbeitet (Informationen zu Rossewitz im Buch „775 Jahre Güstrow“). Alte Bahnhofsgebäude z. B. in Lissow und anderswo werden abgerissen, obwohl noch Züge fahren und Reisende ein- und aussteigen. Der Bahn wird die Erhaltung zu teuer.

 23.07.2005 In Tellow fühlte ich mich fast wie zu Hause. Das war sehr erholsam und so habe ich mir für die Besichtigung viel Zeit gelassen. Eine tolle Arbeit hat Herr Bartz dort geleistet – und das zu DDR-Zeiten. Meine absolute Hochachtung! Dann bin ich im Gutshaus Belitz etwas herumgeschlichen. Leider war gerade Mittagszeit und ich wollte die Familie nicht stören. Eigentlich kann man im Gutshaus eine Führung bekommen. Die Räume, die ich gesehen habe, sind noch wie in der Fernsehserie gestaltet. Kurzen Halt habe ich am Gutshaus Wardow gemacht. Es ist mit Stacheldrahtzaun gesichert und sah zwar nicht gepflegt, aber bewohnt aus.

Im alten Gutshaus in Schwiessel hatte ich wieder Glück mit der netten Besitzerin der Pension. Sie war sehr aufgeschlossen; obwohl es ihr gerade nicht sehr gut ging in Bezug auf die Gästezahl. Alles machte einen eher unbenutzten und etwas improvisierten Eindruck. Andere Autos, die sich nach Schwiessel verirrten, kehrten gleich wieder um. Das alte Gutshaus ist erhalten; aber das neue Gutshaus ist leider ohne Dach und wohl kaum noch zu retten. Obwohl die Lage in einem kleinem Park und toller Aussicht einmalig schön ist. Es ist umzäunt, aber augenscheinlich kümmert sich keiner darum. Auf dem Friedhof ist eine Grabstelle der letzen Gutsherren „Grafen von Bassewitz“. Dort treffe ich die Nachbarin von Herrn Bartz. Sie wurde in Schweissel geboren und war Lehrerin in Matgendorf. Sie erinnerte sich noch an schöne Zeiten im neuen Gutshaus und bedauerte wie ich den Verfall. Einen nächsten Halt machte ich in Blücherhof. Der dendrologische Garten macht einen vernachlässigten Eindruck, aber das Gebäudeensemble ist sehr beeindruckend. Im Schaukasten steht, dass das Schloss als Kinderheim genutzt wird. Das glaube ich aber nicht – es war kein Kind zu sehen. Im restaurierten Taubenhaus gibt es ein Café, ich sah es mir aber nicht näher an. Das Gutshaus in Alt-Gaarz ist sehr gepflegt und enthält Ferienwohnungen. Es liegt sehr ruhig und idyllisch direkt am See. Das Gutshaus in Neu-Gaarz (nur 3 km) ist eine Galerie und ein Café, war aber geschlossen. Rückfahrt nach Wredenhagen, wo ich nun mein „Hauptquartier“ aufschlagen darf.

24.07.2005 Die Lage von Schloss Hohenzieritz ist wunderbar. Wie der Name schon vermuten lässt, liegt es erhöht und mit Sichtachsen in die malerische Landschaft und zu benachbarten Gutshäusern. Es ist eine waldreiche und sehr hügelige Gegend. Meine Reise führt mich weiter zum Jagdschloss Prillwitz. Es liegt direkt am See Lieps und beeindruckt mit einer riesigen holzgetäfelten Eingangshalle. Es wird als Café und Hotel genutzt und ist von einem gepflegten kleinen Park umgeben. Die Wirtschaftsgebäude, die zum Jagdschloss gehören, sind neu gedeckt und werden zur Miete angeboten. Weiter geht es nach Alt-Rehse. Der Gutspark und das Gutshaus sind total abgeriegelt und mit Stacheldrahtzaun gesichert. Kein Blick auf das Haus ist möglich. Es weiden Schafe auf dem Gelände, die in extra Zäunen eingepfercht sind. Die Straßen sollen also frei von den Schafen bleiben – warum? Am Gutspark wurden neue Häuser gebaut, die die traumhafte Aussicht auf den Tollensesee verschandeln. Außerdem steht ein großes, ziemlich neues Gebäude im Fachwerkstil leer und versperrt den Blick! Mallin: Das schöne Gutshaus – es verfällt und die Natur erobert sich jeden Zentimeter mit ungeheurer Kraft zurück. Die Teiche werden zum Angeln gern genutzt, der Park ist verwildert. Das Torhaus ist ebenfalls wunderschön und scheinbar auch nicht bewohnt.

25.07.2005 Heute führt mich mein Weg zum Sitz der Stiftung in Liepen, südlich von Malchin. Dort mache ich mit Frau Friedrichs einen Rundgang über den Denkmalhof und sehe mir die verschiedenen Materialien an. Im Moment gibt es Probleme mit deren Abtransport von den Abrissorten zum Denkmalhof, weil kein Fahrer mit LKW-Führerschein zur Verfügung steht. Einen schönen, alten Kachelofenfuß nehme ich als Andenken an meinen Besuch mit. Nächste Station ist Lankwitz bei Liepen: Das Gutshaus ist ein ehemaliges Pächterhaus und steht zum Verkauf. Davor sind noch ein Rondell sowie seitlich einige Scheunen erhalten. Außerdem gibt es eine Allee zum Gutshaus. Die Struktur ist noch gut erkennbar. Zwei große Backsteinscheunen von 1898 stehen direkt am Ende der Allee und machen einen großen Eindruck. Sie sind leider ungenutzt und verfallen. In Zettemin sehe ich mir noch die Orgel in der Kirche an und das ungewöhnliche, im Halbrund errichtete Schloss. Mein letzter Besuch war in der Büdnerei in Lehsten. Dort gibt es durch das große Engagement eines Ehepaares in mehreren denkmalgeschützten Backsteinhäusern: ein Theater, ein super gemütliches Café, einen tollen Laden und Ferienwohnungen. Der großzügige mit vielen Geheimnissen angelegte Garten ist ebenfalls einen Besuch wert.

Inka Walter

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