Wasserschloss Quilow – Geschichte

Der Ort

Quilow hat sich bis heute seinen schlichten Charakter eines historischen Gutsdorfes bewahrt. „Es liegt in einer leicht bewegten Hochfläche, deren hoher Himmel und weiter Horizont die Ruhe und Gelassenheit der norddeutschen Tiefebene ausstrahlt. Schloß, Dorf und Landschaft haben ihre historisch gewachsene und natürliche Schönheit bewahrt… Sie ist … unaufdringlich … wie ein Volkslied.“ (Denkmalpflegerische Zielstellung, 1993)

Quilow wurde in der frühgeschichtlichen Slawenzeit gegründet und gehörte damals zur „provincia“ Chozkow (= Gützkow). Durch diesen Ort, heute eine Kleinstadt, zog 1128 Otto von Bamberg, um am Pfingstberg in der Burg Usedom die slawischen Edlen zum Christentum zu bekehren. Nicht viel später, 1164, trafen sich der Dänenkönig Waldemar und der Sachsenherzog Heinrich der Löwe während ihrer Feldzüge gegen die Wenden im zwei Kilometer von Quilow entfernten Benediktinerkloster Stolpe. Und 1807 vereinbarten Schweden und Frankreich im benachbarten Gutshaus Schlatkow einen historisch bedeutsamen Waffenstillstand. Schon diese wenigen geschichtlichen Ereignisse von internationalem Rang unterstreichen, dass Quilow nicht am Ende der Welt liegt!

Die Besitzer

In seiner ersten urkundlichen Erwähnung aus dem Jahr 1153 gehörte das Gut Quilow als rechtmäßiger Besitz zum Kloster Stolpe. Um 1485 erwarb es die pommersche Adelsfamilie von Owstin, die am Wolgaster Hof sehr angesehen war. Sie behielt das Anwesen fast 320 Jahre, bis Quilow 1803 durch Heirat in das Eigentum der Familie von Ploetz überging. 1945 wurde der letzte Besitzer Claus von Ploetz enteignet. Seitdem gehörte das Wasserschloss der Kommune, die darin Wohnungen, einen Sportraum für die örtliche Grundschule, eine Gaststätte und einen Kindergarten einrichtete. Im gegenüberliegenden ehemaligen Verwalterhaus wurden ebenfalls mehrere Wohnungen geschaffen und das Gemeindebüro angesiedelt.

Nach der Wende wurden beide Gebäude „leergezogen“ und drohten langsam zu verfallen, weil die Gemeinde keinen privaten Investor finden konnte. Auf Initiative der Landesdenkmalpflege erwarb die Stiftung Kulturerbe das Ensemble im Oktober 2007 zu einem symbolischen Preis.

Das Schloss

Um 1575 von Roleff von Owstin erbaut, verkörpert das Wasserschloss Quilow den Übergang von der feudalen mittelalterlichen Burg zum repräsentativen Prachtbau der Barockzeit. Es ist gegenüber der Burg wesentlich wohnlicher, aber immer noch durch einen breiten Wassergraben befestigt, der allerdings keine Wehrfunktion mehr hatte. Der Bergfried (Turm) erscheint noch als architektonische Dominante, ist aber inhaltlich zur Wendeltreppe umfunktioniert.

Quilow gehört zu den wenigen überregional bedeutenden Renaissancebauten auf dem Lande, deren Originalsubstanz weder im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde, noch der pompösen Modernisierungswelle der Gründerzeit verfiel. Auch nach der Bodenreform (1945-49) blieb das Schloss in seiner Grundsubstanz erhalten. Ein besonderes Merkmal sind die Anfang des 17. Jahrhunderts aufgestockten dreiachsigen Zwerchhäuser über der Südfassade, die zur Bauzeit auf herrschaftlichen Gebäuden weit verbreitet waren und heute die letzten erhaltenen in Vorpommern sind.

Quellen:
Sabine Horn in: Schlösser und Herrenhäuser in Pommern, Stettin 2006, S. 194–196.
Katharina von Pentz in: Schloßgeschichten aus Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg 1994, S. 63–66.
Paul Schumacher, Denkmalpflegerische Zielstellung für die bauliche Sicherung des Wasserschlosses Quilow, Neubrandenburg 1993.

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